6 Möglichkeiten für einen Perspektivenwechsel

 

Für Menschen, die an einer leichten Depression leiden oder zu depressiver Verstimmung neigen, steht der Herbst oft wie eine Bedrohung vor der Tür. Das gilt auch für jene, die eine sogenannte saisonal abhängige Depression erleben, auch SAD, englisch „Seasonal affective Disorder“ genannt. Die dunkle Jahreszeit – manchen verdunkelt sie auch die Seele und das Gemüt.

Hier finden Sie ein paar Anregungen, die Ihnen helfen können, dem Herbst-Blues zu entgehen. Vielleicht fällt es Ihnen dann leichter, sich von trübsinnigen Gedanken zu verabschieden und stattdessen …

… den Herbst zu bejahen
Der Herbst ist fester Bestandteil unserer Jahreszeiten. Er gehört dazu wie der Frühling und der Sommer und in seiner Folge eben auch der Winter. Er besitzt, wie alle Jahreszeiten seine ganz eigene Schönheit. Wer sie sucht, wird sie finden. Zum Beispiel in den bunten Blättern, dem Rot, Orange, Gelb und Ocker, das unseren Augen noch einmal die ganze Fülle des Lichts schenkt, bevor der Winter kommt. Zum Beispiel im frischen Herbstwind, der unsere Wangen liebkost und uns ein Gefühl ganz besonderer Lebendigkeit schenken kann. Gönnen Sie sich täglich einen kleinen Spaziergang, eine halbe Stunde, auch bei schlechtem Wetter. Sammeln Sie den ein oder anderen Schatz des Herbstes, ein besonders schönes Blatt, eine Kastanie, eine Nussschale und gestalten Sie damit zu Hause Ihr ganz eigenes Herbst-Arrangement. Sein Anblick wird Sie jedes Mal erfreuen!

Das wirkt oft schon wie ein kleines Wunder. Und erwiesenermaßen hält selbst der trübste Tag mehr Licht und damit Energie bereit als eine künstliche Lichttherapie spenden kann.

 

… die Dunkelheit zu begrüßen 
Im Herbst stellt unser Körper sich langsam auf den Winterschlaf ein. Obwohl wir Menschen diesen nicht in der Art der Tiere vollziehen, ist dieses biologische Muster seit Urzeiten in uns verankert. Kämpfen Sie nicht dagegen an. Nutzen Sie die Zeit, um sich zu Hause einen Ort der Geborgenheit zu schaffen. Gibt es einen schöneren Anlass als die Dunkelheit, ein Licht anzuzünden?! Was auch immer Sie tun, schaffen Sie sich – durch Kerzenlicht, Boten des Lebens wie einen kleinen Blumenstrauß, ein buntes Kissen, eine extra-kuschelige Decke nur für Sie – ganz bewusst einen Rückzugsort, von dem aus Sie dem Herbst-Blues ein Schnippchen schlagen können. Die Lektüre eines Lieblingsbuches gehört auch dazu.

 

 

 

… sich in die Arme der Melancholie zu werfen 
Es mag vielleicht den ein oder anderen verwundern, ich bin tatsächlich der Überzeugung, dass es nützlich und wohltuend sein kann, sich eine kleine Zeit lang melancholischen – nicht depressiven! – Gefühlen hinzugeben. Sie führen uns in die Tiefen unserer Seele, aber sollten wir da nicht auch ab und an vorbeischauen? Sollten Sie in einer solchen Stimmung sein, legen Sie sich Musik auf, die diesen Empfindungen entgegen kommt. Hängen Sie Ihren Gedanken nach, lassen Sie Tränen fließen, einfach so, schreiben Sie ein Gedicht (das kann man, ohne von Berufs wegen Dichter zu sein), schreiben Sie mal wieder einen Brief an einen lieben Freund, eine liebe Freundin und baden Sie Ihre Seele eine kleine Weile in diesem Gefühl, das zu uns gehört wie die Freude oder die Fröhlichkeit. Wichtig ist, hier rechtzeitig „den Absprung zu schaffen“. Der ist dann gekommen, wenn Sie sich wieder erfrischt fühlen, Ihr Bedürfnis nach Lebendigkeit sich meldet und Sie aus der Melancholie auftauchen wollen.

Hier ein paar Musiktipps:

„Herbsttag“ – ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, vorgetragen von Gottfried John / Rilke Projekt: https://www.youtube.com/watch?v=joZMdU3XEkA

„Canon in D“ – Pachelbel: https://www.youtube.com/watch?v=PkSp8wc8lKw

Gibt‘s auch in einer 1-Stunden-Version

“From a distance” / Bette Middler: https://www.youtube.com/watch?v=lN4AcFzxtdE

 

… der Traurigkeit zu trotzen
Eine andere Möglichkeit besteht darin, genau das Gegenteil zu tun. Legen Sie sich eine Musik auf, die Ihnen gute Laune macht, die Ihnen in die Beine fährt und dann folgen Sie diesem Impuls ganz einfach. Bewegen Sie sich, tanzen Sie, wo und wie Sie gerade Lust haben. Ein kesser Hüftschwung beim Kochen hat noch keinem Essen geschadet.

Hier ein paar Musiktipps:

“Jump” / van Halen: https://www.youtube.com/watch?v=SwYN7mTi6HM

„Happy“ / Pharrell Williams: https://www.youtube.com/watch?v=ZbZSe6N_BXs

Pata Pata / Miriam Makeba: https://www.youtube.com/watch?v=gsDfHvIFwiU…

 

… die Begegnung zu suchen
Der Herbst ist die Zeit des Rückzugs. Dieses Innehalten kann etwas sehr Beruhigendes und Erholsames haben. Wer sich in diesem Zustand jedoch eher einsam fühlt als Lust daran empfindet, mit sich allein zu sein, der sollte häufig und oft die Begegnung und das Gespräch suchen. Ein Telefonat mit Freunden, ein Treffen auf eine Tasse Kaffee oder einfach ein Spaziergang durch die Stadt, vielleicht an einem Markttag, der Ihnen zu Bewusstsein bringt: Sie sind nicht allein. Saugen Sie das Leben Ihrer Umgebung in sich auf. Achten Sie auf kleine Momente der Begegnung, schauen Sie Ihren Mitmenschen auch einmal in die Augen. Schenken Sie ein Lächeln, sich selbst und anderen auch. Das sind Schätze, die man in seiner Seele mit nach Hause nehmen und sie auch dort immer wieder hervorholen und betrachten kann.

 

… sich selbst zu entdecken
Eine äußerst einfache, aber wirkungsvolle Handlung gegen kann es sein, sich einmal eine Liste anzufertigen mit wenigstens fünf Dingen, die Sie schon lange einmal tun wollten oder die Ihnen Freude bereiten. Das kann ein Besuch in der Sauna sein, ein Massegetermin, das kann die Stunde auf der Couch sein oder ein Bummel, bei dem Sie sich für wenig Geld einfach mal ein paar Kleinigkeiten gönnen. Sobald Sie erst einmal angefangen haben, in sich hineinzuhören und Ihre Wünsche wahrzunehmen, werden Sie sicher schnell fündig. Lassen Sie es nicht zu hürdenreich in der Durchführung werden. Hier handelt es sich wirklich um Dinge, die sich gut in jeden Alltag integrieren lassen. Nehmen Sie die Zeit und die Termine, die Sie sich dafür gesetzt haben, ernst. Die Wiederholung birgt viel Freude und eine solche Liste lässt sich darüber hinaus zu jeder Jahreszeit anfertigen.

Kommen Sie freudvoll durch den Herbst!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Eva Leinen

 

Ein Hinweis:
Sollten Ihre Verstimmungen länger als 14 Tage andauern und sollten Sie darüber hinaus Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Schlaflosigkeit oder auch Appetitlosigkeit verspüren, ist ein Besuch bei einem Arzt oder Psychotherapeuten anzuraten. Dann handelt es sich vielleicht um eine behandlungsbedürftige Depression.