„Man muss das Leben tanzen!“ (Friedrich Nietzsche)

In vielen Menschen löst der Begriff „Tanztherapie“ eine gewisse Beklemmung und Scheu aus. Großes wird damit verbunden: Ballett, Modern Dance, Jazztanz … kunstvoll auszuführende Bewegungen und damit ein Anspruch, der die wunderbaren Möglichkeiten dieser Therapie in ein Licht setzt, das eine vertrauensvolle Annäherung möglicherweise bereits im Keim erstickt. Daher habe ich, ausgebildet als Tänzerin und Tanztherapeutin, entschieden, in meiner Arbeit den Begriff „Bewegung“ zu verwenden. Denn oft sind es bereits die kleinen Bewegungen des Alltags, die Gesten und Gebärden unseres täglichen Leben, die Aufschlussreiches vermitteln. Was mitunter nicht – oder noch nicht – in Worte zu fassen ist, in der Bewegung und auch im Tanz kann und darf es seinen Ausdruck finden. Diese erlebnisorientierte Annäherung hat bereits eine Entladung zur Folge; oft tauchen Bilder, Gedanken, Wörter oder Satzfetzen auf, die als Ausgangspunkt für die weitere Arbeit dienen können.
Nicht nur in den körperorientierten Therapien geht man mittlerweile davon aus, dass alle Erlebnisse eines Menschen in den körpereigenen Systemen, vor allem aber im muskulären System gespeichert sind. Dann ist die Rede vom „Körpergedächtnis“. Ein Schreck, zum Beispiel, ist uns buchstäblich in die Glieder gefahren. Umgekehrt heißt das, dass auch der Weg zu eventuellen Traumata über das körperliche Erleben zurückverfolgt werden kann. Und ein Trauma, das gesehen wird, hat die Möglichkeit, sich aufzulösen.

Die Bewegungs- und Ausdruckstherapie arbeitet mit dem zutiefst menschlichen Bedürfnis, sich über Bewegung zu äußern, ins Leben einzubringen und zu kommunizieren.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie erhalten eine lang ersehnte gute Nachricht und es breitet sich nicht ein großes Lächeln über Ihr Gesicht oder – mehr noch – Sie reißen nicht vor Freude die Arme hoch oder tanzen und hüpfen gar im Zimmer herum. Oft kommt in diesem Fall sogar die Stimme als weiterer Körperausdruck mit ins Spiel: wir jubeln! Kinder tun solches, ohne  nachzudenken, bei Erwachsenen ist diese Fähigkeit zum großen Teil der Kultur und Konvention zum Opfer gefallen. Ob Freude oder Trauer, unsere Gefühle wollen auch auf der Körperebene zum Ausdruck gebracht werden, in Haltung, Gestik, Stimme und Mimik. Wer sich diese Fähigkeit erhalten hat oder zurückerobert, wer seinen Körper bewohnt, der ist da.

Oder wie Lore Perls, Mitbegründerin der Gestalttherapie, formuliert:

If you have a body you are somebody. If you have no body you easily feel like nobody.*

Wichtig zu wissen: Die Tanz- bzw. Bewegungs- und Ausdruckstherapie kann ein sehr wirkungsvolles Instrument sein. Daher gebe ich eine tanztherapeutische Einzelstunde nur in Verbindung mit einer vor- und nachbereitenden Stunde.

 

*Eine Übersetzung kann die wunderbare und stimmige Verknüpfung des englischen „body“, „somebody“und „nobody“ nur ungenügend wiedergeben, dennoch hier ein Angebot:

Wer einen Körper hat, der ist jemand. Wer keinen Körper hat, fühlt sich leicht als ein Niemand.