Nach mehr als fünf Jahrzehnten fühle ich mich heute in meiner Bestimmung angekommen. Menschen in seelischer Not zu helfen, sich selbst – wieder oder gar erstmals – liebens- und das Leben lebenswert zu finden, erfüllt mich mit tiefer Freude und Zufriedenheit. Im Rückblick scheint es mir, als ob alle Entwicklungen, Ereignisse und Geschehnisse meines eigenen Lebens auch eine Vorbereitung darauf waren. Aufgewachsen als einziges Mädchen unter drei Brüdern… die Begegnung im Alter von 7 Jahren mit einer ersten großen Liebe – dem klassischen Ballett – und die Ausbildung und jahrzehntelange Beschäftigung damit… Das Leben mit einem letztlich unerfüllten Traum, der Karriere einer Bühnentänzerin, der mich ab den Mittzwanzigern ein Studium hat absolvieren und beenden lassen… und die darauf folgende, ebenfalls jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Wort, mit der ich mir den Lebensunterhalt sicherte und die mich seine Macht gelehrt hat…
Das größte Geschenk, das mir das Leben gemacht hat, war die Geburt meines Sohnes. Es hat mich in die wunderbaren Tiefen des menschlichen Seins geführt, hat mir bis dahin unbekannte Zusammenhänge offenbart und mich eine Sprache jenseits der Worte gelehrt, die Sprache der Liebe. Dramatische Einschnitte zwangen mich zur Umkehr und zum Umdenken. Dankbar bin ich heute für die Einsichten, die mir der oft unbequeme und auch schmerzhafte Weg der Selbsterkenntnis geschenkt hat und dankbar bin ich für die Wende, die mein Leben noch einmal von Grund auf nahm und erneuerte, als ich mit der Eingebung, Tanztherapeutin zu werden, wenn auch auf andere Weise, zu dem zurückkehren durfte, was mir in diesem Leben so viel bedeutet hat. (Gerne bezeichne ich mich heute auch als „begnadigte Tänzerin“.) Seit der erfolgreichen Ausbildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie steht mir der Weg zur Ausübung dieses Heilberufes offen. Das Wort habe ich in Form der Gesprächstherapie als Instrument hinzugenommen. Und es wundert nicht wirklich, wie gut sich die beiden Disziplinen Tanz, Bewegung und Wort ergänzen, wenn man weiß, dass beide ihren Ursprung in derselben Region unseres Gehirns haben.

Das Leben selbst ist ein wunderbares Geschenk. Das Leben jedes Einzelnen ist kostbar, so wie jeder Moment, den es für uns birgt und bereithält. Bis heute sind mein Glaube daran und meine Freude darüber ungebrochen. Auch das ist ein Geschenk. Mit vollen Händen möchte ich geben, was ich zu geben habe. Bei allem möchte auch ich stets ein Mensch unter Menschen bleiben!